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SZ-Interview zum Kulturverein

15-05-2014 17:54 von Sven Mücklich (Kommentare: 0)

Neuerdings hat die Stadt einen Kulturverein. Das wurde höchste Zeit – sagt Gründungsmitglied Walter Hannot.

Herr Dr. Hannot, Meißen hat schon einen Tourismusverein, einen Gewerbeverein, einen Kunstverein. Wozu braucht es da noch einen Kulturverein?
Trotz aller Stärken, die Meißen hat, wird immer noch ein deutliches Defizit wahrgenommen: Es gäbe zu wenig Touristen, es passiere zu wenig, es machen mehr Geschäfte zu, als auf. Es sind noch viele Aufgaben offen – das sieht man schon beim Vergleich mit Städten wie Pirna oder Görlitz.

Was meinen Sie damit konkret?
Dort ist mehr los! Die Städte zeigen mehr Leben in der Öffentlichkeit. Komplett kaputte Häuserzeilen wie in Meißen finden Sie dort kaum noch. Oder ein Bauwerk wie die Jahn-Turnhalle, durch das Tauben ein und aus fliegen. Die sind dort wenigstens gegen den weiteren Verfall gesichert. In Meißen verfallen in der Altstadt und anderswo historisch wertvolle Gebäude.

Im Regelfall gehören die aber doch Privatleuten – nicht der Stadt.
Die ist aber gefragt: Manche Eigentümer interessieren sich nicht für ihre alten Objekte oder spekulieren nur mit ihnen. Oder darauf, dass Baudenkmale endlich in Flammen aufgehen, um billiger neu bauen zu können. Da muss die Stadt etwas tun! Und sie hat alle Mittel dafür in der Hand.

Welche denn?
Eigentum verpflichtet! Wenn die Stadt konsequent kontrolliert, dass Eigentümer ihre Häuser vor dem Verfall sichern, kostet der Unterhalt den Eigentümer natürlich was. Dann sieht die Rechnung gleich ganz anders aus – und der Besitzer muss sich Gedanken machen, entwickelt selbst oder verkauft die Immobilie an jemanden, der tatsächlich etwas draus machen möchte.

Und um das zu ändern, braucht es einen Kulturverein?
Denkanstöße für die Zukunft der Altstadt sind nur eines unserer Themen. Aber ein Wichtiges. Schauen Sie sich die Situation an der Elbe an: Meißen leistet sich Deutschlands größten Parkplatz an einem Fluss. Schade, dass die Stadt nicht in der Lage ist, mehr daraus zu machen, dass sie in einer wunderschönen Flusslandschaft liegt. In den Weindörfern wird man überall zum Verweilen am Fluss eingeladen. Nur in Meißen nicht. Der Grund: Fantasielosigkeit.

Die beklagen viele auch beim Meißner Marktgeschehen. Gehören Sie dazu?
Allerdings! Wir wollen helfen, zusätzlich ein anderes Niveau reinbringen. Da muss man qualitativ höherwertige Angebote durchsetzen. Genauso beim Weihnachtsmarkt. Bekleidungswühltische gehören da einfach nicht hin! Damit lockt man keine betuchte Klientel an, die gleichzeitig in den Modegeschäften der Altstadt einkaufen soll. Von der wohnt immer mehr in Meißen selbst – aber deren Privatleben findet bei hier fehlendem Angebot eben in Radebeul oder Dresden statt.

Wie kann man das ändern?
Wir Meißner müssen unsere Angebote pflegen! Meißen heißt mehr als nur Porzellan: Das Thema Romantik etwa mit den Schlössern ringsum spielt derzeit gar keine Rolle. Aus Hahnemann wird viel zu wenig gemacht. Eigentlich sind das alte Themen. Sie müssen nur neu umgesetzt werden.

So wie das Weinfest, das böse Zungen als „Trinkerfestspiele“ bezeichnen?
Das Fest ist stets proppenvoll – aber tut es so der Stadt auch gut? Meiner Meinung nach sollte man es teilen: in ein Stadtfest, was es derzeit faktisch ist, und ein traditionelleres Weinfest im zeitlichen Umfeld. Mancher Besucher käme vielleicht auch zweimal nach Meißen. Und zum Weinfest könnten dann neben dem Wein auch wieder die Atmosphäre, Innenhöfe und die ruhigere Seite Meißens inszeniert werden. Trotz aller Kritik: Meißen hat Potenziale wie kaum eine Stadt. Das ist die Motivation für viele, die bei uns im Verein mitmachen.

Das Gespräch führte Christoph Scharf

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