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Interview zur Landesgartenschau 2023

15-07-2014 11:28 von Sven Mücklich (Kommentare: 0)

„Meißens Natur ist gefährlich geworden“ – Eine Landesgartenschau böte Gelegenheit, sich damit auseinanderzusetzen. Das erklärt der Chef des Kulturvereins Walter Hannot im SZ-Gespräch.

Der Meißener Kulturverein will die Landesgartenschau 2023 nach Meißen holen. Wie kommen Sie auf diese Idee?
Das Thema ist ja in der Vergangenheit schon häufiger diskutiert und eine Bewerbung im Ergebnis abgelehnt worden. Das mag aus damaliger Sicht richtig gewesen sein, die heutige Sicht ist aber zumindest in einigen Punkten eine andere. Die Ziele, die mit einer Landesgartenschau heute verbunden würden, haben sich geändert.
 
Was hat sich denn geändert?
Meißen ist stark geprägt durch die Landschaft, in die diese Stadt eingebettet ist. Der Zusammenfluss dreier Flüsse, Täler, Hügel, angrenzende Hochplateaus, Wälder, landwirtschaftliche Flächen, Weinbauflächen usw. Das alles prägt die Stadt sehr stark, macht ihren Reiz aus – und war leider in den letzten zwölf Jahren mehrfach wiederkehrend Grund für Gefährdungen.
 
Was heißt das konkret?
Stadtrat Helge Landmann hat Anfang Juli einen sehr nachdrücklichen und kenntnisreichen Vortrag zu diesem Thema im Kulturverein gehalten. Ohne die Flüsse gäbe es kein Hochwasser, ohne diese Form der Bewirtschaftung auf den Hochebenen kein sogenanntes Starkregenereignis wie Ende Mai im Triebischtal. Und auch die Komplettabholzung am Plossen und am Poetenweg wurde ja mit der Gefahr umkippender Bäume begründet. Überspitzt formuliert kann man sagen, dass die Meißen so wunderschön prägende Natur in den letzten Jahren auch mehrfach gefährlich geworden ist. Darauf müssen wir uns wohl oder übel einstellen. Und zwar offensichtlich nicht als einmalige Ereignisse, die vielleicht alle 50 Jahre mal passieren.
 
Und was hat das mit einer Landesgartenschau zu tun?
Wir müssen uns der Gefährdungen bewusster werden, mehr Maßnahmen zur Vorbeugung ergreifen – und uns auch auf Unvermeidliches einstellen. Auch die dritte Flut innerhalb von zehn Jahren reicht ja offensichtlich nicht aus, dass wir maximal mögliche Überflutungsgebiete entwickeln. Stattdessen erhalten wir die Gartensparten in diesen Flächen, erneuern Sportplätze in diesen Bereichen. Und haben nach wie vor keinen Plan, wie wir unsere Altstadthäuser funktional und baulich auf offensichtlich häufiger wiederkehrende Überflutungen einstellen. Wir brauchen auch für die Entwicklung und Einbeziehung der Natur im Stadtgebiet einen Generalplan für das nächste Jahrzehnt. Darin werden Ziele und Maßnahmen benannt, sowohl zu Vorbeugung und Umgang mit den Auswirkungen der Naturgewalten wie auch zur Entwicklung der Freizeitqualitäten von Wald und Natur. Und ein Teil dieser Maßnahmen kann auch durch eine Landesgartenschau abgedeckt werden.
 
Ist das denn auch finanzierbar?
Eine Landesgartenschau hat auch wirtschaftliche, touristische und finanzielle Aspekte. Es gibt Zuschüsse vom Land in Millionenhöhe, natürlich aber auch große Ausgabenverpflichtungen. Je mehr ich das Konzept der Landesgartenschau mit den sowieso notwendigen und daher zu finanzierenden Entwicklungen von Wald und Natur in Einklang bringe, desto geringer ist die Gefahr fehlender Nachnutzung. Nicht zu vergessen sind außerdem die Marketingeffekte sowie die verbindende Wirkung nach innen: Seit vielen Jahren hätte die Stadt Meißen mit der Landesgartenschau mal wieder ein Gemeinschaft stiftendes Projekt nach innen, übrigens auch ein wichtiger Aspekt des Stadtmarketings. Wir freuen uns über Albrechtsburg und Dom als Ensemble, das „weltkulturerbeverdächtig“ ist. Wären die damaligen Visionäre so kleinmütig gewesen, wie wir es heutzutage manchmal sind, stünde dort vielleicht eine Kirche für ein putziges 300-Einwohner-Dorf am Zusammenfluss dreier Flüsse.

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