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SZ-Artikel zur Spielplatzkonzeption

08-11-2014 17:37 von Sven Mücklich (Kommentare: 0)

Bessere Spielplätze für Meißen

Auf dem Plan sieht das Angebot für Kinder gar nicht schlecht aus. Tatsächlich gibt es aber an vielen Stellen erhebliche Mängel.

Von Christoph Scharf

Übermutig turnen Jason, Lucas und Marc über die Kletteranlage. Platz haben sie auf dem Spielplatz am Heiligen Grund genug. Nach dem Klettern und Hangeln können die Schüler eine Seilbahn oder eine Drehscheibe ausprobieren – und auch an jüngere Kinder ist auf der Anlage gedacht. „Wir haben in Meißen einige sehr schöne Spielplätze“, sagt Walter Hannot vom Kulturverein. „Einige erfüllen die Mindestanforderungen hingegen nur bedingt.“ So fehlt etwa im Kollwitzpark eine Umzäunung – so dass Kinder unversehens auf die Straße laufen können. Ähnlich ist es am Beyerleinplatz: Dort gibt es zwar abschnittsweise einen Zaun und auch die vorgeschriebenen Barrieren an den Eingängen. „Das nutzt aber wenig, wenn direkt daneben der Zaun fehlt und die Kinder einfach vorbei laufen“, sagt Jeannette Mahlow vom Kulturverein. Zumal pausenlos Lkw, Busse und Pkw am Park vorbeirauschen. An der Bergstraße sind die Zäune defekt. Am Postgässchen sind Spielgeräte kaputt, am Many-Jost-Weg gleich ganz abgebaut.

Weil die Mitglieder des Kulturvereins seit dem Frühjahr ständig auf das Thema Spielplätze angesprochen wurden, haben die Mitglieder jetzt eine eigene Erhebung über den Zustand aller 16 offiziellen Spielplätze in Meißen (siehe Karte) gemacht. „Zwar gibt es eine städtische Spielplatzkonzeption, die wurde aber dem Kulturverein nicht zur Verfügung gestellt, weil es sich um ein ‚internes Arbeitspapier‘ handle“, sagt Walter Hannot. Stadtsprecherin Katharina Reso verweist dagegen darauf, dass gar keine Konzeption im Sinne noch zu bauender Spielplätze existiere – sondern nur eine Übersicht des Ist-Stands, die im Internet einsehbar sei. Diesen online veröffentlichten Stand hat der Kulturverein mit dem tatsächlichen Zustand vor Ort verglichen – und gerade bei der Ausstattung mit Geräten Lücken entdeckt. So fehle etwa im Kollwitzpark der laut Plan vorhandene Drehkreisel. Der Spielplatz Kirchsteig/Heiliger Grund ist seit der Schlammlawine gleich komplett gesperrt.

Das Problem: Meißen plant laut aktuellem Haushaltsplan bis 2018 gerade mal jährlich 10 000 Euro als Investition in sämtliche 16 Spielplätze der Stadt ein. Zum Vergleich: Das ist ungefähr so viel, wie der jüngst im Kollwitzpark ersetzte Kletterturm mit Rutsche kostete. Einzig für den zerstörten Spielplatz Kirchsteig ist für 2016 eine Extrasumme von 90 000 Euro vorgesehen. Dass es im Haushalt knapp zugeht, versteht Walter Hannot. „Die Frage ist aber, welche Priorität Spielplätze bei den Ausgaben haben!“ Vor die Wahl gestellt, den zweiten Gehweg in der Burgstraße zu erneuern oder in Spielanlagen zu investieren, würde der Meißner immer Zweiteres nehmen. „Beim Thema Kitas und Schulen ist die Stadt familienfreundlich – aber bei Spielplätzen gibt es Nachholbedarf!“

Dabei müsse nicht jede neue Anlage 100 000 Euro kosten. Man könne auch auf die Eigeninitiative von Eltern und Sponsoren setzen. Ein Beispiel dafür, wie so etwas funktionieren kann, ist der Spielplatz in Zaschendorf. Eine weitere Möglichkeit wäre es, Pflege-Partnerschaften mit Einwohnern ins Leben zu rufen – die einmal wöchentlich nach den Anlagen schauen.

Ideal wäre es zudem, auf der Freifläche an der Jahnhalle einen Spielplatz anzulegen – und perspektivisch die ohnehin zu sanierende Halle als Indoor-Spielplatz betreiben zu lassen. Damit würde die Stadt auch für Gäste attraktiver. Zunächst aber wäre es nötig, gemeinsam mit der Stadt und der Familienvertretung eine konkrete Liste von Maßnahmen aufzustellen. Ein Vorhaben, das auch Stadtsprecherin Katharina Reso „ausdrücklich begrüßt“.

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