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Vereinsmitglied ausgezeichnet

02-07-2014 12:04 von Sven Mücklich (Kommentare: 0)

Ein Meißner und ein Radebeuler Projekt wurden beim "Land der Ideen" ausgezeichnet

Susann Schädlich

Meißen/Radebeul. Die edlen Tropfen des Radebeuler Winzers Karl Friedrich Aust, die Tintenmanufaktur Barock aus Dresden oder die Schokoladenzauberer von Adoratio - sie alle haben eins gemeinsam: Ihre Waren werden noch in mühevoller Handarbeit gefertigt, denn sie entstehen in Manufakturen. Für diese Liebe zum Detail hat die Marketing-Fachfrau Ute Czeschka ein ganz besonderes Faible. Seit 2010 greift die Meißnerin mit ihrer Marke "Manufakturenhaus" solchen Herstellern mächtig unter die Arme und verkauft deren Waren über das Internet deutschlandweit. Als Anlaufpunkt "zum Anfassen", wie sie selbst sagt, betreibt Czeschka zudem ein kleines Geschäft in Meißen. Für ihr Engagement ist die 45-Jährige gestern von der Initiative "Deutschland - Land der Ideen" ausgezeichnet worden.

"Ich habe die Bewerbung auf den letzten Drücker abgeschickt", sagte Czeschka aufgeregt. "Nie hätte ich gedacht, dass wir den Preis tatsächlich erhalten würden."

Etwa 1000 Projekte deutschlandweit hatten sich für den Wettbewerb "Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen" unter dem Motto "Innovation querfeldein - ländliche Räume neugedacht" beworben, darunter Unternehmen, Vereine, Forschungseinrichtungen und Verbände. Ihre Ideen verfolgten dabei alle ein Ziel: Ländliche Räume positiv zu gestalten und sie für die Zukunft fitzumachen. 100 Preisträger sind gestern von einer Fachjury für ihre wegweisenden Impulse gekürt worden.

Ute Czeschka ist besonders viel an ihrer sächsischen Heimat gelegen. "Ich bin eben eine echte Lokalpatriotin", sagte sie mit einem Schmunzeln. Sachsen habe eine solch reiche Handwerkskultur, die es zu schützen gelte. Denn bei den Manufakturisten handelt es sich um eine aussterbende Spezies. "Viele Leute wissen gar nicht mehr, dass es so etwas wie Handschuhmacher oder Reifendreher noch gibt", berichtet sie.

Auch Czeschka kam zunächst als Unwissende mit den besonderen Stücken in Berührung. Für eine Oberlausitzer Leinenweberei übernahm sie damals einen Marketingauftrag. Über die kam sie dann mit einer Plauener Weißstickerin in Kontakt, die sie wiederum mit einer Deckendesignerin in Verbindung brachte. Über ein Jahr zog Czeschka durch die sächsischen Lande und spann sich ihr ganz eigenes Manufakturisten-Netzwerk. Inzwischen bündelt sie über 50 Manufakturen auf ihrer Plattform. Neben den Waren aus sächsischer Hand finden sich dort mittlerweile auch Produkte aus anderen Bundesländern.

Doch Czeschka verkauft über ihr Manufakturenhaus nicht nur "Handgemachtes". Die 45-Jährige will vor allem mit modernen Mitteln tradiertes Kulturgut vor dem Vergessen bewahren. "Die meisten haben tolle Produkte, wissen aber nicht, wie sie die mit Facebook und Co. an den Mann bringen sollen", so Czeschka. Genau das wolle sie ihnen abnehmen - mit dem Online-Geschäft, dem Laden und viel Lobbyarbeit.

Insgesamt sieben sächsische Initiativen sind für ihre Ideen ausgezeichnet worden. Darunter ist der "Interessenverbund Sächsischer Mehrgenerationenhäuser". Der in Radebeul ansässige Verbund hatte das Projekt "Familien profitieren von Generationen" initiiert, um Familien auf dem Land im Alltag zu unterstützen. Dabei wurden in den 16 Mehrgenerationenhäusern in Sachsen Familiencafés organisiert, offene Nachbarschaftstreffs eingerichtet und Familienpatenschaften ins Leben gerufen.

Ein Preisgeld gibt es für die Gewinner zwar nicht. "Wir erhoffen aber mehr Anerkennung für das, was wir jeden Tag tun", sagte Projektleiter Mathias Abraham. Ein Sahnehäubchen winkt den Gewinnern allemal: Die Initiative "Land der Ideen" rührt nun ein Jahr lang mit Reportagen, Videos und Infomaterialien kräftig die Werbetrommel für alle Preisträger.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.07.2014.  

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