Nachrichten

Was Meißens Spielplätze noch fehlt

07-11-2014 19:38 von Sven Mücklich (Kommentare: 0)

Was Meißens Spielplätzen noch fehlt

Toralf Grau

Mängel bei Sicherheit und Sauberkeit, oft die gleiche Ausstattung: Der Meißner Kulturverein hat die Spielplätze der Stadt untersucht und will jetzt mithelfen, die Situation zu verbessern.

Einige sind gut gepflegt, manche haben Mängel. Generell gibt es aber zu wenige. Das ist ein Fazit, das die Mitglieder des Meißner Kulturvereins zum aktuellen Zustand der Spielplätze in der Stadt ziehen. In den vergangenen Wochen haben sie alle Plätze in Augenschein genommen, die den Meißner Kindern zum Spielen und Toben zur Verfügung stehen. Das Ergebnis ihrer Recherchen: Viel sei noch zu tun, damit sich Meißen auch wegen seiner Spielplätze mit Recht „familienfreundlich“ nennen dürfe.

Was damit gemeint ist, verdeutlicht Jeannette Mahlow vom Kulturverein auf dem Spielplatz am Beyerlein-Platz. Milde Herbstsonne strahlt dort auf Klettergerüst und Rutsche, die in einer mit Kieseln gefüllten Grube stehen. Wirklich einladend sieht das Ganze nicht aus. Nicht nur, weil die Mauer zum benachbarten Grundstück bröckelt und auf dem Platz so mitten am Vormittag mal eben kein Kind spielt. Nur wenige Meter neben Rutsche und Kletterturm braust der Verkehr auf der dicht befahrenen Straße.

Das sei nicht nur ein akustisches Problem, sagt Jeanette Mahlow. Der Zaun, der den Spielplatz von der Straße abgrenzt, hat neben einer Bushaltestelle eine große Lücke. Gut möglich, dass da ein abenteuerlustiger Steppke schnell in Richtung Fahrbahn läuft. Sicherheitsmängel wie diesen habe man noch auf weiteren Meißner Spielplätzen entdeckt, sagt Jeanette Mahlow. Die Auflistung des Kulturvereins nennt lückenhafte oder fehlende Zäune, schlecht gesicherte Eingänge, aber auch manche reparaturbedürftigen Spielgeräte.

Warum haben sich die Vereinsmitglieder überhaupt die Arbeit gemacht, alle öffentlichen Spielplätze in Meißen unter die Lupe zu nehmen? „Wir wurden mehrfach auf dieses Thema angesprochen“, sagt der Vorsitzende Walter Hannot. Seit der Vereinsgründung vor wenigen Monaten haben sich die jetzt 32 Mitglieder schon einige Aufgaben gesucht. Eine Aktion, in der Meißner Bürger Patenschaften zur Pflege von bislang verwahrlosten Ecken der Stadt übernehmen. Die Organisation des Literaturfests. Eine Ideensammlung, wie man die Porzellan- und Keramiktradition Meißens stärker in der Stadt sichtbar machen kann. Und jetzt die Begutachtung der Spielplätze, die helfen soll, Meißen für Kinder und Eltern attraktiver zu gestalten.

Bislang sei das ein zu wenig entwickelter Bereich, meint Walter Hannot. Die Stadt listet auf ihrer Internetseite zwar bis zu 16 öffentliche Spielplätze auf und hat ein „Spielplatz-Konzept“ erarbeiten lassen, doch reserviert in ihrem Finanzhaushalt jährlich nur 10.000 Euro für die Pflege und den Ausbau der Plätze. „Das reicht vorn und hinten nicht“, sagt Walter Hannot. Und reichen großzügig gezählte 16 öffentliche Spielplätze für geschätzte über 3.500 Meißner im Alter unter zwölf? Nein, meinen die Mitglieder des Kulturvereins. In einigen Stadtteilen mangele es besonders an Spielgelegenheiten. „Zum Beispiel im Triebischtal“, sagt Jeanette Mahlow. Die Stadt hat in ihre Planungen den Bau eines neuen Spielplatzes aufgenommen: für das Jahr 2018.

Wichtig sei zudem, wie die öffentlichen Spielplätze ausgestattet seien, sagt Jeanette Mahlow. In Meißen fast alle gleich, hat sie beobachtet. „Da wäre mehr Abwechslung wünschenswert. Was fehlt, sind auch Plätze, die für ältere Kinder geeignet sind. Für viele von denen ist das jetzige Angebot schnell langweilig.“

Der Ist-Zustand sei das eine, sagt Walter Hannot, der Vorsitzende des Kulturvereins. Die Dokumentation, die angelegt wurde, will man an die Stadträte und die Stadtverwaltung übergeben und sie außerdem in den nächsten Tagen auf die Internetseite des Vereins stellen. Zum anderen wolle man aber auch überprüfen, was zur Verbesserung der Situation unternommen wird. „Dazu werden wir regelmäßig Zwischenberichte veröffentlichen.“ Der Kulturverein helfe gern dabei mit, die Meißner Spielplätze zu verbessern. Ein erster Schritt könnte ein gemeinsamer Rundgang von Mitarbeitern der Stadtverwaltung, Stadträten und Vereinsmitgliedern zu allen Anlagen sein, schwebt Hannot vor. „Die Reparaturen müssen sowieso erledigt werden.“ Bei den Rundgängen könne man aber festlegen, was zu tun ist, um die Spielplätze auch sauberer und für die Kinder interessanter zu machen. Gehe es darum, Geld für die Pflege, den Um-, Aus- oder Neubau von Spielplätzen zusammenzubekommen, beteilige man sich, wenn benötigt, an der Suche nach Sponsoren.

Mehr Aufmerksamkeit müsse den Spielplätzen aber auch bei der Haushaltsplanung der Stadt gewidmet werden, fordern die Mitglieder des Kulturvereins. „Das ist eine Frage der politischen Abwägung“, sagt Walter Hannot. Er macht folgende Gleichung auf: Bessere Spielplätze seien ein Teil der Familienförderung und damit ein Beitrag, um Familien mit Kindern nach Meißen zu locken. „Ein neuer Spielplatz muss nicht 100.000 Euro kosten. Wir sollten Formen finden, wie wir mit kleinerem Budget mehr öffentliche Spielmöglichkeiten schaffen können. Aber die Frage, ob aus dem Haushalt der Stadt lieber an einer Straße der Innenstadt gebaut werden soll oder mehr Geld in die Spielplätze investiert wird, ist auch eine Frage der Prioritätensetzung.“

Zurück