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Wirbel um Meiẞner Baudenkmale

02-03-2015 12:00 von Sven Mücklich (Kommentare: 0)

Wirbel um Meißner Baudenkmale

Der Kulturverein und ein Stadtrat schlagen vor, die verfallene Jahnhalle nicht zu verschenken. Sie soll anders gerettet werden.

Ein SZ-Artikel von Harald Daßler

Der „fahrlässige Umgang“ mit historischen Gütern in der Stadt müsse aufhören, mahnt der Chef des Kulturvereins Dr. Walter Hannot. Die Stadt dürfe Baudenkmale oder Areale nicht vorschnell und leichtfertig aus der Hand geben, weil sie damit Möglichkeiten zur Stadtentwicklung verspielt.

Ausdrücklich bezieht sich Walter Hannot auf die Jahnhalle, über deren Rückgabe an die Stadt in diesen Tagen verhandelt wird. Gemeinsam mit Stadtrat Dr. Helge Landmann (Freie Bürger) wendet sich der Kulturvereinschef dagegen, die Halle nicht sofort in städtischen Besitz zu nehmen. Wie berichtet, wird erwogen, das seit Jahren verfallende Bauwerk samt angrenzendem Gelände an einen potenziellen Bauherren zu übertragen, der einen Eigenheim-Standort entwickeln will. Hannot und Landmann fordern, über Alternativen zum beabsichtigten Umbau der Halle in ein Wohnhaus zu diskutieren.

Die Halle und das sie umgebende Areal seien hervorragend geeignet, um die Hänge in unmittelbarer Nähe der Altstadt als „öffentlich zugänglichen Freiraum“ zu entwickeln. Angesichts wachsender Nachfrage nach Wohnraum in der Meißner Altstadt, was in den nächsten Jahren sicher weitere Modernisierungen und mehr Bewohner zur Folge hat, sei mehr Raum zum Erholen, zum Spazieren und zum Spielen für die Kinder notwendig. Stadtverwaltung und Stadtrat sollten deshalb verantwortungsvoll über Flächen entscheiden, die noch nicht bebaut sind.

Ein Moratorium für alle unsanierten Baudenkmale in der Stadt böte die Chance zum Nachdenken – wobei neben einzelnen Bauten die gesamte Stadtentwicklung betrachtet werden sollte. Außerdem sollte es zum Grundsatz werden, zunächst nur benutzte Flächen aufzubrauchen, ehe neues Bauland ausgewiesen wird.

Die Jahnhalle könnte ein Beispiel für aktive Stadtentwicklung sein, ist Helge Landmann überzeugt. Die Halle, die auch für die Tradition breiten bürgerschaftlichen Engagements im Meißen des 19. und 20. Jahrhunderts steht, könnte bei Besinnung darauf gerettet werden. Mehrere Vereine wie der Kulturverein, der Hahnemannzentrum e.V. sowie die Hornsche Stiftung stünden bereit, um sich – auch finanziell – für die Halle zu engagieren. Die notwenigen Arbeiten an der Halle und deren Umfeld böten zugleich Möglichkeiten für verschiedene soziale Projekte in der Stadt – und Beschäftigung für Menschen, betont Helge Landmann. Die Halle selbst ließe sich nach einer Sanierung als Bürgerraum für Debatten, aber auch für Veranstaltungen oder Feiern in der Stadt nutzen.

Ideen wie diese sollten in der Debatte um ein Stadtentwicklungskonzept in Meißen zusammengetragen werden. Ein solches Konzept ist auch wichtig, um Fördermöglichkeiten zu erschließen. Neben dem Stadtumbau Ost-Programm kämen das EU-Programm zur regionalen Entwicklung (EFRE) sowie der Europäische Sozialfonds (ESF) infrage. Jede im öffentlichen Raum umgesetzte Idee kann private Investitionen anstoßen, zum Beispiel an maroden Wohngebäuden in der Görnischen Gasse oder in der früheren Bienenwirtschaft.

Mit einer Bewerbung für eine Landesgartenschau könnte Meißen die weitere Sanierung in der Altstadt öffentlichkeitswirksam zum Thema machen – und weitere Fördermöglichkeiten erschließen. Als Einzugsgebiet dafür kämen neben den Hängen oberhalb der Altstadt auch die Triebischvorstadt infrage. (SZ)

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